
Mit seiner klaren Positionierung gegen die aggressiv-autoritäre Politik der derzeitigen Kreml-Führung steht Boris Grebenschtschikow für das „andere“, friedliebende Russland. Seine Songs aus den 1990er Jahren zeugen von der Sehnsucht nach einem geistigen Neuanfang in Russland – der dann aber leider ausgeblieben ist.
Erste Episode: Der Stern des Friedens
In seinem Song Adelaída kleidet Boris Grebenschtschikow die Utopie des Friedens in das Bild eines weit entfernten Gestirns – und zeigt damit, wie weit die Utopie von der Realität einer vom Krieg zerfressenen Welt entfernt ist.

Zweite Episode: Ein Friedensgebet gegen das Hexenwerk des Krieges
In dem Lied Worozhbá (Zauberkräfte) stellt Boris Grebenschtschikow den bösen Zauber des Krieges den heilenden Zauberkräften eines Handelns gegenüber, das auf dem Streben nach einem Leben im Einklang mit sich selbst und der Welt beruht.

Dritte Episode: Das leere Haus der Hoffnung
Grebenschtschikows Song Gossudárynja handelt von Menschen, die sich aufgrund enttäuschter Hoffnungen von einer Herrscherin abwenden. 1991 entstanden, verweist das Lied auf die untergehende Sowjetunion, hat aber auch eine darüber hinausgehende Bedeutung.

Vierte Episode: . Verfemte Heilsbringer
Der 1992 veröffentlichte Song Wólki i Wórony (Wölfe und Raben) ist ein Plädoyer, verantwortungsbewusst mit der durch das Ende der kommunistischen Ära neu gewonnenen Freiheit umzugehen. Leider hat der Appell nicht die erhoffte Wirkung gezeitigt.

Fünfte Episode: Die Erlösungssehnsucht der Verdammten
Das Lied Kóni bjespredjéla (Die Pferde des Chaos) handelt von dem Sturz aus dem Paradies in die Welt des Chaos – und von den vergeblichen Versuchen, mit den Kräften eben dieser Welt in das Paradies zurückzugelangen.

Sechste Episode. Der Traum vom einfachen Leben
Der Song Kostromá, mon amour kreist um den Traum vom einfachen, vorzivilisatorischen Leben. Das erträumte Idyll wird dabei allerdings zugleich als unrealistische Traumwelt entlarvt.

Siebte Episode: Hoffnung in hoffnungsloser Zeit
In dem Song Dubrówskij greift Grebenschtschikow Motive aus einem gleichnamigen Roman von Alexander Puschkin auf, gibt diesen jedoch einen allgemeineren Sinn. Im Kern kreist das Lied um die Frage: Wie soll man Trost finden in trostloser Zeit?

Achte Episode: Das helle und das dunkle Auge Gottes
In seinem Song Navigátor stellt Boris Grebenschtschikow die angemaßte Allmacht eines totalitären Staates der göttlichen Allmacht gegenüber. Zur Zeit der untergehenden Sowjetunion entstanden, ist das Lied im heutigen russischen Geheimdienststaat von ungebrochener Aktualität.

Neunte Episode: Wenn der Tod mit Blaulicht fährt
Golubój ogonjók (Blauer Lichtschein) – so heißt in Russland eine traditionsreiche Silvestershow. In einem gleichnamigen Song von Boris Grebenschtschikow wird daraus eine Blaulichtfahrt des Todes.

Zehnte Episode: Ein mysteriöses Trio
In seinem Song Tri sjestrý (Drei Schwestern) verbindet Boris Grebenschtschikow den Bezug zu Anton Tschechows gleichnamigem Drama mit mythologischen Anspielungen. Daraus ergibt sich das Psychogramm eines nostalgischen Charakters, das nicht nur im russischen Kontext aufschlussreich ist.

Elfte Episode: Die hungrigen Geister und der befreite Geist
Der Song Kládbischtsche (Friedhof) handelt von der Befreiung des Geistes von den Fesseln der Materie. Er knüpft an fernöstliche Philosophie an, weist jedoch auch Bezüge zur sozialen Lage im Russland der 1990er Jahre auf.

Zwölfte Episode: Der Baum der Erleuchtung und die Dunkelheit der Welt
Wie Kládbischtsche (siehe elfte Episode) zeugt auch das Lied Fícus religióznyj (Ficus religiosa) von Grebenschtschikows Hinwendung zum Buddhismus. Es kreist um den im Buddhismus als Symbol der Erleuchtung verehrten Bodhi-Baum.

Bilder: Iwan Martschyk: Boris Grebenschtschikow beim Atlas Festival (Atlas Weekend) in Kiew (Wikimedia commons). 1.) Iasaffa: Sterntaler (Pixabay); 2.) Kyraxys: Zauberer (Pixabay); Peter H. (Tama66): Verfallener Ort (Pixabay); 4.) IH: Wolf und Rabe (AI); 5.) Arturo Souto (1902 – 1964): Die vier apokalyptischen Reiter aus der Offenbarung des Johannes (1937); Wikimedia commons; 6. Alexej Sawrassow (1830 – 1897): Die Wolga (1874); Kaluga, Museum der Schönen Künste; Wikimedia commons; 7. Wiktor Wasnezow (1848 – 1926): Fliegender Teppich; Nischni Nowgorod, Staatliches Kunstmuseum (Wikimedia commons); 8. Amye Petersen: Auge vor Landschaft mit Bäumen (Pixabay); 9.) Denis Fomin: Geheimnisvolles Portal auf einer nächtlichen Straße (Pixabay); 10.) Bolesław Barbacki (1891 – 1941): Erinnye (1907); Wikimedia commons; 11.) IH: Hungrige Geister-AI1 12.) Joe Puengkaew: Buddhakopf in einem Bodhibaum (Pixabay)
Musik: Iskander Ramazanov: Melancholic accordion in the rain (Pixabay)
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